Deine gewohnte Konfektionsgröße lässt sich nicht zuverlässig auf jede Lolita-Marke übertragen. Betrachte Small, Medium und Large lediglich als Größenbezeichnungen und vergleiche deine Körpermaße mit den Angaben für das jeweilige Kleidungsstück. Die Passform hängt außerdem davon ab, wie dehnbar der Stoff ist, welche Verstellmöglichkeiten das Kleidungsstück bietet, welche Schichten du darunter trägst und wie viel Platz du zum Atmen und Bewegen brauchst.
Miss zuerst deinen Körper aus
Trage dünne, eng anliegende Kleidung und stehe entspannt. Das Maßband sollte am Körper anliegen, ohne einzuschneiden. Notiere jedes Maß in Zentimetern und Zoll und miss anschließend ein zweites Mal nach.
Miss am Oberkörper den Brustumfang an der vollsten Stelle, den Unterbrustumfang direkt darunter und den Taillenumfang an der schmalsten Stelle deiner natürlichen Taille. Notiere außerdem die Schulterbreite über den Rücken sowie den Oberarmumfang. Schulter- und Armmaße sind besonders bei taillierten Blusen und einteiligen Kleidern wichtig, da sich diese Bereiche meist kaum anpassen lassen.
Miss am Unterkörper den Hüftumfang über die vollste Stelle des Gesäßes und den Oberschenkelumfang. Plane dabei genügend Spielraum zum Sitzen und Gehen ein. Für Schuhe zeichnest du die Umrisse beider Füße auf Papier nach. Miss jeweils von der Ferse bis zum längsten Zeh sowie quer über die breiteste Stelle des Vorfußes und orientiere dich am größeren Fuß.
Prüfe, welche Maße die Größentabelle angibt
Die meisten Tabellen verwenden eines von zwei Systemen. Körpermaße geben den empfohlenen Größenbereich für die Person an, die das Kleidungsstück trägt. Steht in einer Tabelle „empfohlener Brustumfang des Körpers: 88 bis 92 cm“, richtet sich diese Größe an Personen, deren Körpermaße innerhalb dieses Bereichs liegen.
Kleidungsmaße beschreiben das fertige Kleidungsstück. Ein Brustumfang von 96 cm am Kleidungsstück bedeutet nicht, dass es bei einem Körperbrustumfang von 96 cm passt. Du brauchst zusätzlich Platz zum Atmen und Bewegen. Ein Lolita-Jumperskirt muss außerdem Raum für die Bluse darunter bieten.
Manche Marken geben Maße des flach liegenden Kleidungsstücks an. Verdopple eine flach gemessene Breite nur dann, wenn die Produktbeschreibung ausdrücklich darauf hinweist, dass die Tabelle so zu lesen ist. Achte auf Bezeichnungen wie Körpermaße, empfohlener Größenbereich, Kleidungsmaße, flach gemessene Maße, ungedehnt und maximal gedehnt. Frage beim Shop nach, welches System verwendet wird, wenn die Angaben unklar sind.
Plane Bewegungsfreiheit ein
Ein Kleid kann sich schließen lassen und trotzdem zu eng sein. Prüfe, ob du atmen, sitzen, die Arme heben und die vorgesehenen Schichten darunter tragen kannst, ohne dass sich das Oberteil verzieht.
Der zusätzliche Platz zwischen Körper und fertigem Kleidungsstück wird als Bequemlichkeitszugabe bezeichnet. Bei einem körpernah geschnittenen Oberteil aus nicht dehnbarem Stoff sind 4 bis 8 cm Zugabe zum Brustumfang ein sinnvoller Ausgangspunkt. Ein JSK, den du über einer Bluse trägst, braucht oft mehr Platz. Nutze diesen Richtwert zur Kontrolle, nicht als Ersatz für den von der Marke empfohlenen Größenbereich.
Prüfe Verstellmöglichkeiten genau
Bei Shirring, also elastisch gesmokten Partien, wird häufig ein Bereich angegeben, etwa 84 bis 100 cm. Der niedrigere Wert bezeichnet das ungedehnte Maß, der höhere die maximale Dehnung. Vermeide eine Größe, bei der das Gummiband dauerhaft bis zum Anschlag gedehnt werden muss. Das kann einengen und die vorgesehene Form des Oberteils verändern.
Eine Korsettschnürung zieht die Rückenpartie enger und formt die Silhouette. Sie macht das Kleidungsstück nicht weiter. Verstellbare Schulterträger verändern, auf welcher Höhe das Oberteil und die Taille sitzen, schaffen aber keinen zusätzlichen Platz an der Brust. Unterscheide bei Röcken oder Bloomers mit Gummibund oder seitlichen Verstellriegeln zwischen dem ungedehnten Taillenmaß, dem angenehm dehnbaren Bereich und dem absoluten Maximum.
Prüfe die entscheidenden Maße für jedes Kleidungsstück
Prüfe bei einem JSK Brust-, Taillen- oder Unterbrustumfang, Armausschnitt, Oberteillänge, Verstellbereich der Träger, Dehnungsbereich des Shirrings und Rocklänge. Lass genügend Platz für deine Bluse. Bei einem OP-Kleid gehören außerdem Schulterbreite, Oberarmumfang, Ärmellänge und Armausschnitt auf die Liste. Der Magazinratgeber zum Aufbau von JSK, OP und SK erklärt, warum bei der Passform jeweils andere Maße im Vordergrund stehen.
Prüfe bei einer Bluse Schulterbreite, Brustumfang, Oberarmumfang, Armausschnitt, Manschettenweite und Halsöffnung. Bei hochgeschlossenen Ausschnitten und Puffärmeln sind Schulter- und Armmaße besonders wichtig. Kläre bei einem Rock zuerst, wo der Bund sitzt, bevor du das angegebene Taillenmaß vergleichst. Der Bund eines hoch geschnittenen Rocks sitzt an einer anderen Stelle als der einer Hose mit normaler Bundhöhe.
Prüfe bei Hosen und Bloomers Taillen-, Hüft- und Oberschenkelumfang, Leibhöhe, Innenbeinlänge und Beinöffnungsweite. Am Taillenmaß allein lässt sich nicht erkennen, ob du bequem sitzen kannst. Orientiere dich bei Schuhen zuerst an Fußlänge und -breite, bevor du umgerechnete Größenangaben prüfst. Die Umrechnung zwischen EU-, US- und JP-Größen fällt je nach Marke unterschiedlich aus. Auch die Form der Schuhspitze und die Risthöhe können die Passform beeinflussen.
Ein letzter Passformcheck vor der Bestellung
Gehe von deinem größten relevanten Körpermaß aus, kläre, ob die Tabelle Körper- oder Kleidungsmaße angibt, plane Platz für zusätzliche Schichten ein und prüfe dann jede Verstellmöglichkeit. Die Checkliste für dein erstes Lolita-Outfit behandelt die übrigen Bestandteile und ergänzt den Einsteigerratgeber im Magazin.
Eine passende Größe sollte sich schließen lassen, ohne dass du die Luft anhalten oder Gummibänder bis an ihre Grenze dehnen musst. Sie sollte die vorgesehene Form des Oberteils bewahren und zugleich genügend Platz zum Atmen, Sitzen und Gehen sowie für die geplanten Kleidungsschichten bieten.